EINE WAHRE GESCHICHTE
"Niemand sollte sich zulange damit aufhalten müssen um über sich selbst zu sprechen. Vor allem dann nicht, wenn er das Positive herausstreichen sollte!" Mit diesem Argument überzeugten sie mich und ich sagte ja, als die vier mich baten etwas Nettes über sie zu schreiben. Ich fuhr damals in der Gegend des "Ninty-Five" Taxi, einem mäßig noblen Nachtclub am Kietz. Wir lernten uns irgendwann näher kennen, da ich sie oft nach ihren Auftritten, nach Hause chauffierte. Nun es ist nicht leicht entscheidende Dinge die in einem Zeitraum von über vier Jahren geschehen sind in ein paar Sätzen zu erklären. Am einfachsten ist es ich erzähle ihnen kurz folgende wahre Geschichte...

... ich kann mich zwar kaum noch daran erinnern, wie es genau abgelaufen ist aber es war eine dieser Sommernächte wie sie immer in Jerry Cotton Romanen beschrieben werden. Ich wartete in meinem Taxi und las mit einem Auge die Bunte, mit dem anderen beobachtete ich die Strasse und hoffte auf Fahrgäste. Plötzlich tippte jemand an meine Scheibe. Bevor ich mich richtig umdrehen konnte, saß ein Mann, er war etwa dreißig, auf dem Rücksitz, starrte mit weit aufgerissenen Augen vor sich hin und bat: "nach Hause!" Also fuhr ich los. Nach einer Weile fragte ich ihn, wo er denn zuhause war. Zögernd gab er mir schließlich Antwort. Dieser Mann stand unter Schock, das war sicher. Ich überlegte mir schon ihn in einer Klinik abzusetzen als er sich beruhigte und endlich anfing mit mir zu reden...
"... das erste was mir auffiel als ich unter der Leuchtreklame hindurch ging und die Tür hinter mir zuschmiss war, dass Twist aus den Boxen dröhnte. Der ganze Club war zum bersten voll und kein einziger im Publikum entkam diesem fantastischen Beat. Selbst ich erwischte mein Knie dabei, wie es rhythmisch zuckte. Diese Peinlichkeit außer Acht lassend, schob ich mich zur Bar, von einer Gitarre begleitet die quer durch die Sixties zu reisen schien. Ich schloss kurz die Augen wie in dem billigen Werbespot, der dir sagt, dass wenigsten dieser Augenblick dir gehören sollte, lehnte mich zurück und war etwas unsicher als ich den Bassisten auf seinem riesigen Kontrabass herumturnen sah. Was tat ich hier? Diese Typen stahlen mir die Show. Ohne Zweifel. Nur ein kurzer Augenblick der Irritation und ich hatte mich wieder unter Kontrolle. Ehrlich.
Ich drehte mich um und wollte ein Bier bestellen. Als ich die Hand hob und mich der Barkeeper fragend ansah, traf mich die Stimme des Sängers bis ins Mark und von selbst formten meine Lippen einen Namen. Spätestens als ich den Jack Daniels ansetzte und ihn genoss, war ich selbst zum Opfer geworden. Ich ergab mich der Versuchung jegliche Vernunft über Bord zu werfen und alles um mich zu vergessen. Das ist das letzte an was ich mich erinnern kann. Sie... sie müssen mir glauben. Bitte!" Wir waren inzwischen durch die halbe Stadt gefahren als ich mit einem bitteren Lächeln nickte und ihn nach dem Namen der Band fragte. "Ich weiß nicht wie sie hießen. Ich habe keine Ahnung, verdammt!"
Der Mann tat mir leid. Ich stützte meinen ungewöhnlichen Fahrgast und half ihm die Treppe zu seinem Appartement hoch. Dort nahm ich das viel zu hohe Fahrtgeld wortlos und ohne schlechtes Gewissen an, steckte es in meine Tasche und setzte mich wieder in mein Taxi. Plötzlich drehte er sich noch einmal um, starrte zu mir herüber und rief mit sich überschlagender Stimme: "MONROES... die Band hieß THE MONROES!" Ich legte den Gang ein und fuhr los. Ohne jedoch noch einmal in den Rückspiegel zu sehen sagte ich ruhig vor mich hin: "Ich weiß mein Junge, ich weiß!"
Manche Dinge sollten bleiben wie sie sind. Unverändert und ohne viel Schnörkel. Genau das haben sich die Monroes zum Ziel gesetzt, den Beat der sechziger Jahre so zu spielen wie er sein muss: erdig und rau...



